Helgoland im Wandel der Zeit!

1684 bis 1952


Die nordfriesische Insel Helgoland liegt ca. 2,5Std.von Cuxhaven
entfernt in der Deutschen Bucht.
Bis zur nächsten Küste sind es ca. 50km. Nur bei sehr
guter Sicht ist von der Insel aus das Festland zu sehen.
Diese isolierte Lage des roten Sandsteinfelsens, besonders in den
Wintermonaten, wenn starke Stürme,keine Schiffsverbindung
zulassen hat bei den Helgoländern zu einem besonders
ausgeprägten Eigenständigkeitsgefühl geführt.
In ihrer eigenen Sprache heißt Helgoland einfach Lun von Hillig Lun
(Heiliges Land)

1684 besetzt Dänemark die schleswig-gottorpersche
Insel Helgoland. Muß sie aber 1689 wieder zurückgeben.

1717 Dänemark besetzt wieder die schleswigsche Festung
Helgoland und vertreibt die Schleswiger endgültig.
Sylvester 1720 bricht die Landverbindung zwischen Düne
und Felsen endgültig.

Während der Kontinentalsperre von 1807 bis 1813 hatte die
Insel einen kurzen wirtschaftlichen Aufschwung.
Helgoland wurde zu einem der wichtigsten englischen Umschlagplätze
für eine Vielzahl von Waren, die von hier durch die französischen
Sperren zum Festland geschmuggelt wurden: Baumwolle, Gewürze, Kaffee,
Tee, Zucker, usw.
Täglich sollen 300 bis 400 Schiffe Helgoland angelaufen haben.
Reisende berichteten damals, das auf der Insel ein Leben
und Treiben herrschte, wie man solches sonst nur in den
reichen europäischen Handelsstädten finden konnte".

Doch nach dem Wohlstand folgte eine große Not, als die Helgoländer
nach dem Ende der Kontinentalsperre in ihre alten Erwerbszweige
zurückfinden mußten.
Ihre Existenzgrundlage hatte schon immer das Meer mit Fisch- und Hummerfang,
Bergung von Strandgut und Lotsendienst gebildet.

Zu dieser Zeit begann der Schiffszimmermann Jakob Andresen Siemens
(1794 - 1849), mit der Gründung einer Badeanstalt.
Trotz der Bedenken vieler Insulaner wurde sie 1826 in Form einer
AG mit 20 Anteilen zu 100 Mark Wirklichkeit. Der erste Sommer brachte
nur etwa 100 Badegäste in kleinen, offenen Segelbooten,
die über zwölf Stunden unterwegs waren.
Von 1834 an verkehrten von Hamburg aus die ersten Raddampfer
"Patriot" und "Elbe".Die Zahl der Badegäste
stieg rasch an, 1838 waren es bereits mehr als tausend Dauergäste.
Einheimische Fischer hatten sich das Ausbooten der eintreffenden
Gäte als Privileg gesichert.
Der britische Gouverneur Sir Henry Maxse förderte das Seebad
durch die Gründung verschiedener öffentlicher Einrichtungen.
In der Saison 1886 zählte man 8370 Badegäste.

Einer der bekanntesten Gäste auf dem damals noch englischem Helgoland
war Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der für ein einiges und freies
Deutschland eintrat.
Eigentlich wollte er nur gesunde Seeluft schnuppern und mit seinen trinkfesten
Gesinnungsgenossen in lustiger Runde sich erholen.

Am 26 August 1841 dichtete er das "Lied der Deutschen", das erst in der
Weimarer Republik und erneut in der Bundesrepublik Deutschland zur
Nationalhymne wurde.
Wenige Tage nachdem Hoffmann v. Fallersleben den Text zu Papier gebracht hatte,
erwarb der Hamburger Verleger Julius Kampe für vier Louisdor
die drei Strophen.
Campe veröffentlichte Text und Melodie schon am 4.September 1841.
Am 11.August 1922 erklärte der damalige Reichspräsident Friedrich Ebert
das Lied der Deutschen zur Nationalhymne.
1829/30 war auch Heinrich Heine Gast auf Helgoland.

Am 10. August 1890 nahm Kaiser Wilhelm II. Die Insel Helgoland in deutschen Besitz.
Das Deutsche Reich verzichtete dafür zugunsten Großbritanniens auf Rechte
im ostafrikanischen Kolonialgebiet und nicht wie oft behauptet,gegen Sansibar,
das niemals deutsche Kolonie war.
Deutschland erkannte bei dieser Gelegenheit lediglich die britische Herrschaft
über Sansibar an.
Immerhin konnten sich die Helgoländer die Zollfreiheit und andere Privilegien sichern.

Wilhelm II., der fast jährlich auf die Insel kam, wollte mit Hilfe Helgolands
die deutsche Seegeltung heben. Er sah damit "die erste Bedingung für den
Ausbau der Flotte erfüllt", wie er in seinen Lebenserinnerungen schrieb.

In den letzten Sommern vor dem Ersten Weltkrieg wurden bereits 30000 Gäste
jährlich gezählt. Aus der Idee des J. A. Siemens hatte sich die
wichtigste Einnahmequelle der Helgoländer entwickelt.
Die schnelle Schiffsverbindung ließ auch Tagesausflüge auf die
Insel immer beliebter werden.
Obwohl heute auch Schnellfähren sogenannte Katamarane den Hafen der
Insel direkt anlaufen, hat sich bis heute das anlanden der Gäste mit
den Helgoländer Börte-Booten gut bewährt

Folgenreich wurde der Ausbau der Insel als Kriegshafen mit schweren
Geschützen, U-Boot-Versorgungsbasis und einer weitverzweigten
unterirdischen Festung.
1914 mit Beginn des Ersten Weltkriegs mußten die Helgoländer
auf kaiserlichen Befehl ihre Heimat innerhalb von 24 Stunden verlassen.
Die meisten fanden in Hamburg, Wedel und Umgebung Unterschlupf.
Auf der Insel selbst war während des Krieges eine knapp 4000 Mann
starke Besatzung stationiert, überwiegend Marine und Seeflieger.

Nach über vier Jahren kehrten im Dezember 1918 die Helgoländer
auf ihre Insel zurück, sie fanden ihre Häuser verwahrlost und
ausgeplündert vor.
Gemäß des Versailler Friedensvertrags wurden die militärischen
Anlagen sowie zum Teil auch die Ufermauern und Hafenanlagen zerstört.
Doch der II Weltkrieg mit der nächsten Zerstörung der Insel sollte nicht lange auf sich warten lassen.

1936 durch Geheimbefehl Hitlers wird die Insel wieder zur Festung erklärt.
Am 18.April 1945 befanden sich etwa 3000 Helgoländer auf der Insel,
dazu kamen noch einige hundert Soldaten. Dann flogen tausend Bombenflugzeuge
über die kleine Insel und übersäten sie mit ihrer tödlichen Last.
Wer nicht Platz im Bunker gefunden hatte, hatte keine Chance zu überleben.

Abermals wurden die Helgoländer wieder evakuiert und die englischen Lufteinheiten
warfen zahllose schwere Bomben auf die Insel.
Nachdem die Insel wie eine Mondkraterlandschaft aussah, begann die Hauptzerstörung
am 18.April 1947.
Es wurden ca. 4610 Tonne Sprengstoff auf einmal hochgejagt. 3500 Tonnen in den
Hauptlagerräumen in der Südspitze der Insel, 260 Tonnen in den U-Boot
Bunkeranlagen. In den beiden großen Batterien im Oberland wurden ebenfalls
850 Tonnen deponiert.

Der Sprengstoff aus Granaten, Wasserbomben und Torpedosprengköpfen lagerte
zum Teil auf der Insel und wurde zum Teil in monatelanger Arbeit auf die Insel gebracht.
Nach der Sprengung stand eine über 2000m. hohe Rauchwolke über der Insel.
Noch bis heute werden bei Bauarbeiten Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg gefunden.

Am 20.Dezember 1950 besetzten zwei Studenten (Rene Leudesdorf u. Georg Hatzfeld)
Helgoland und setzten die Europafahne. Damit brachten sie eine Lawine der
Demonstration ins rollen, die zur Freigabe der Insel führte.
Am 1.März 1952 wird Helgoland an Deutschland zurückgegeben. Der Wiederaufbau beginnt.


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